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Wenn ich eine Aufgabe anpacke, „… Anschließend nahm er die fünf
z.B. ein Seminar vorzubereiten oder Brote und die zwei Fische, blickte
eine Gemeindeveranstaltung zu zum Himmel auf und dankte Gott
planen und durchzuführen, dann dafür. Dann brach er die Brote in
sollte ich mich ehrlich fragen, was Stücke und gab sie den Jüngern,
ich denn erwarte, ob ich es schaffen und die Jünger verteilten sie an die
werde, wie gut ich es schaffen kann. Menge. Und alle aßen und wurden
Und ich sollte mir klar machen, satt.“ (Matthäus 14,19-20)
dass ich nichts ohne Gottes Hilfe zu
tun brauche und will. Aber meine Formel geht noch wei-
ter: Meinen kleinen Beitrag gebe ich
Vor Jahren habe ich eine Formel mit 90 Prozent, das meint, mit mei-
aufgestellt, um mein Dienen als ei- ner ganzen Kraft und Hingabe, also
ner, der Jesus nachfolgt, zu beschrei- so gut es geht. Kein Mensch schafft
ben, und die ich auch heute noch oder braucht 100 Prozent.
vertrete. Das heißt für mich z.B. bei einem
Alles Gelingen, bei allem, was ich Vortrag, mich gründlich vorzube-
tue, ist 100 Prozent Gnade, das reiten, aber dann das, was ich habe,
meint umsonst, unverdient, ist Got- ganz loszulassen in Gottes Hände.
tes Wirken.
Doch zu diesen 100 Prozent Gnade Entschlüsselt diese Formel nicht ein
gehören: Geheimnis, wie Gott und Mensch
zusammenspielen? Im Prinzip ist
1 % mein Tun + 1 % das Tun an- sie eine Umsetzung des Gedankens
derer + 98 % Wirken des Heiligen von Ignatius von Loyola (1491
Geistes –1556): „Handle so, als ob alles von
dir abhinge, und sei dir gleichzeitig
Ein Beispiel dafür ist die Speisung bewusst, dass Gott es ist, der alles
der Fünftausend, als Jesus ein paar wirkt.“
Fische und Brote nahm, sie segnete So sollte unser alltäglicher Check
und dann vielen zu essen gab. Das sein: Glaube ich, dass Gott mit mir
klingt ganz entspannt, nur ein paar wirkt?
Fischgräten und Brotkrumen, wie
ein Freund es noch drastischer aus-
drückte, mehr nicht, das genügt.
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